Im Folgenden wird sich Andreas Klisch unseren Lesern kurz vorstellen uns mir einige Interessante Fragen beantworten. Vielen Dank an Andreas Klisch für seine Mühe und Euch viel Spaß beim lesen.
Im Netz findet man mich unter klischnet (mal mit punkt wie bei meiner Website {link: http://klisch.net}, mal ohne). Ich habe zweimal Kultur- Wissenschaften studiert, im „Osten“ und im „Westen“.
20 Jahre habe ich Konzerte, Parties, Festivals im Rock-Pop-Bereich veranstaltet (von 100 bis 5000 Besuchern), habe Theaterinszenierungen, Philharmonie-Konzerte, Kunst-Performances und Ausstellungen produziert und war als Tourneemanager in Europa unterwegs.
Meine ersten Erfahrungen mit dem Internet habe ich mit AOL und Compuserve gemacht, als diese noch geschlossene Netzwerke waren und Telebanking nur über DATEX-J möglich war. Meinen ersten tweet {link: http://myfirsttweet.com/1st/klischnet} habe ich im May 2007 „abgesetzt“.
Seit ca. 11 Jahren arbeite ich am Studiengang Kulturarbeit {link: http://kulturarbeit.org} an der FH-Potsdam als wissenschaftlich- technischer Mitarbeiter im Lehrbereich Medientheorie und Praxis. Weiterhin bin ich Ausbilder u.a. für den Beruf des Veranstaltungskaufmanns. Als Vorstandsmitglied der LAG Multimedia Brandenburg e.V. kümmere ich mich im Ehrenamt um die außerschulische Medienbildung/ Kompetenz von Schülern und Jugendlichen.
Als freier Dozent gebe ich an anderen HS Seminare zum Thema Online- Marketing und bin last but not least als freier Berater in Sachen Social Media unterwegs und berate vornehmlich Kultur- und Bildungseinrichtungen.
1. Was fehlt ihrer Meinung nach an Hochschulen im Bezug auf die Social-Media Kompetenz?
Zum einen sollten die HS und FH´s in Ihren Marketingabteilungen erstmal selber darüber nachdenken und erkennen das eine Website nicht gleich Online-Marketing bedeutet. D.h. die Schulen befinden sich auf einem Markt im Wettbewerb untereinander, ergo sollten auch zielgruppenaffine Marketinginstrumente zum Einsatz kommen. Es scheint an der (fehlenden) Kompetenz und Erfahrung der zuständigen Mitarbeiter zu liegen, das sich Social Media Instrumente nicht durchsetzen. Zum anderen sind die IT- oder EDV- Abteilungen mit „klassisch“ ausgebildeten Informatikern besetzt, das ja nicht per se schlecht sein muss, aber diesen Kollegen fehlt oft das Verständnis für die notwendigen zeitgemäßen Anpassungen ihrer schulinternen Dienstleistungen. Freies WLAN auf dem Campus ist für sie ein Horrorszenario. Da gibt es Typo 3 Websites die nur von einer Person betreut wird, aber nicht reprogrammiert werden kann, da gibt es FH´s die keinen webservice oder MySQL Datenbanken für CMS ala´ Wordpress vorhalten usw. usw.
Innerhalb der Lehre besteht noch keine Erkenntnis der Bedeutung des Bereiches Online-Marketing bzw. Social Media.
Es gibt leider zu wenig junge Dozenten oder Lehrkräfte, die mit Social Media oder Web2.0 Tools arbeiten und lehren.
Aber auch die Studierenden selbst nutzen die Web2.0 Tools kaum. Die meisten haben wohl einen studiVZ oder facebook account, den sie mehr oder weniger stiefmütterlich verwalten, aber aus meinem Umfeld sind mir z.B. keine twitternden Kulturarbeit- Studenten bekannt. Die bereitgestellten Computer an den Schulen werden häufig nur dazu genutzt Hand Out, Studienbriefe oder E-Mails auszudrucken oder das Bahnticket für den nächsten Heimaturlaub zu buchen.
Sehr häufig fehlt in der Verwaltung, im Lehrkörper und bei den Studierende einfach auch das Interesse den Computer und das Internet darüber hinaus zu benutzen. Bzw. die Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit dem Computer und dem Internet sind nicht vorhanden.
2. Wie würden sie das ändern?
Die o.e. Personenkreise auf Weiterbildungen schicken ;-)
Wenn, dann konsequenter Einsatz von Social Media in der schulischen und studentischen Kommunikation – und Informationspolitik.
Integration in der Lehre und nicht nur im Bereich Marketing, sondern als Querschnittsthema über das gesamte Curriculum.
Etablierung von E-Portfolios für die Studierenden mittels einfacher CMS alá Wordpress, z.B. zur eigenen Lehr- und Studiums- Dokumentation.
Anforderungen an die Studierenden erhöhen, z.B. bei der Durchführung von Projekten mindestens 1-2 Web2.0 Tools einzubeziehen.
E- oder blended Learing, Chats oder Videokonferenzen integrieren etc.
Förderung des kollaborativen Arbeitens wie web2.0, wie Wikis, oder Online Kalender, etherpad, scribd und was es noch alles für sinnvolle und vor allem auch arbeitserleichternde Tools so gibt.
3. Was könnten sie dazu beitragen?
Spread the message!
Workshops, Vorträge, Seminare, Beratungen....
4. Wie sollte/ könnte ein Netzwerk unter Kulturmanagern und Kulturmanagement-Studenten aussehen?
Netzwerke nach amerikanischem Alumni- Vorbild werden wir wohl auf absehbarer Zeit nicht etablieren können, dafür ist zu viel Zeit an den deutschen Bildungseinrichtungen verschlafen worden. Gerade im Kulturbereich scheinen Netzwerke sehr fragil und flüchtig zu sein. Ist doch der Markt auf dem sich die exmatrikulierten Studenten bewähren müssen sehr überschaubar, begrenzt und - vor allem - schon besetzt! Wenn Kontakte genutzt werden, dann um möglicherweise Dienstleistungen out-zu-sourcen oder „einzukaufen“. Tatsächliche gemeinschaftliche kreative Arbeiten sind mir so leider auch nicht bekannt. Da jeder möglichst schnell, der „Generation Praktikum“ entfliehen will wird er oder sie sich mit dem eigenen Know How eher bedeckt halten.
Die Reputation vieler kultureller Einrichtungen steht und fällt mit ihren „individualistisch- charismatischen“ Protagonisten im Management oder im Booking, d.h. aber eben auch, das im Personalbereich kaum Bewegung herrscht.
Die neuen socialen Netzwerke werden leider fast ausschließlich für die Promotion der eigenen Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen genutzt.
Immerhin hat die fb- fanpage {link: http://facebook.com/kulturarbeit } 160 Mitglieder von ca. 330 aktiven und ehemaligen Studierenden. Leider fehlt der individuelle Input der Fans....